#2 | KI hört mit

gesprochen von keiner Künstlichen Intelligenz am 30. Oktober 2026

Cover: Die KI-Kolumne mit Friedrich Overkamp

Die KI-Kolumne · zum Hören

#2 | KI hört mit

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Demenz ist ein Zustand, den viele von uns fürchten. Die Hoffnung auf Früherkennung und eine frühe therapeutische Intervention ist daher mehr als verständlich. Beide Maßnahmen, Früherkennung und Behandlung, befinden sich jedoch noch in den Anfängen. Erstaunlich war daher eine Publikation im Juni 2026, in der berichtet wurde, dass Künstliche Intelligenz Gedächtnisstörungen am Klang der Stimme erkennen kann. Eine heutzutage übliche Spracherkennungssoftware, die es von vielen Anbietern gibt, kann nicht nur gesprochene Sprache in geschriebenen Text umwandeln oder Sprachen direkt übersetzen, sondern auch Sprachmelodie, Sprechrhythmus, Betonung und Sprechtempo analysieren. Genau diese Eigenschaften können sich aber verändern, wenn die kognitiven Fähigkeiten nachlassen. Kleiner Tipp: Achtet doch in den kommenden Jahren in dieser Kolumne einfach mal darauf, ob und wann sich eine solche Veränderung bei mir bemerkbar macht ☺. Aber im Ernst: Die in der Zeitschrift „JAMA Neurology“ publizierte Studie war eine Pilotstudie, die den potenziellen Nutzen einer Analyse der Stimme und des Sprechverhaltens im Hinblick auf die Früherkennung von Demenz erforscht hat. Damit ist eine Anwendung im neurologischen Alltag noch keineswegs in Sicht, aber die Publikation zeigt, wohin die KI-Forschung sich entwickelt (https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/article-abstract/2850380).

Ein anderes Beispiel, wo KI im wahrsten Sinne des Wortes „mithört“, findet sich in der Lungenkrebsvorsorge: Eine KI-unterstützte Hustenüberwachung entwickelt sich rasant und sie zeigt Potenzial für die frühzeitige Entdeckung von Lungenkrebs. KI kann nämlich minimale Veränderungen in Frequenz und Klang des Hustens erkennen, die für das menschliche Ohr kaum wahrnehmbar sind. Durch das Erkennen dieser winzigen Veränderungen, insbesondere bei Hochrisikopersonen, z.B. bei Patienten mit Chronischer Bronchitis, kann die KI-unterstützte Hustenüberwachung helfen, frühe Anzeichen von Lungenkrebs zu erkennen, noch bevor andere Symptome auftreten. Das technische Prinzip ist vergleichsweise simpel: Hustengeräusche werden über einfache Mikrofone aufgezeichnet, z. B. in Smartphones oder smarten Uhren. KI versucht anschließend, charakteristische Merkmale zu erkennen und lernt z.B. zu unterscheiden, ob ein Husten Schleim produziert oder trocken ist. Und vor allem lernt die KI mit der Zeit, die digital „gehörten“ Veränderungen bestimmten Erkrankungen zuzuordnen und Warnhinweise zu geben. Eine gute Übersicht zum Stellenwert einer kontinuierlichen digitalen Hustenüberwachung findet sich u.a. im „Journal of Thoracic Disease“ vom November 2025 (https://jtd.amegroups.org/article/view/108532/html).

Aber auch im Hinblick auf die frühzeitige Erkennung von Atemwegserkrankungen, die das Potential für Epidemien oder Pandemien haben, könnte eine KI-unterstützte Hustenüberwachung der Bevölkerung eine Revolution bedeuten. Was wäre gewesen, wenn eine KI den COVID-19-spezifischen Husten in den ersten Ausbruchsregionen frühzeitig erkannt hätte?


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